Fraunhofer ISI

Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien: Positive Bewertung, aber geringe Kaufbereitschaft

16.1.2017

Wie denken Bürger und Experten über Wasserstoff als neuen Energieträger? Dieser Frage ging das Fraunhofer ISI zusammen mit zehn europäischen Partnern nach. Das Forschungsteam befragte fast 7.500 Menschen aus sieben europäischen Ländern, um die Bekanntheit sowie die aktuellen Einstellungen und zukünftigen Erwartungen an Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien zu ermitteln. Dabei zeigte sich, dass die Technologien zwar grundsätzlich positiv wahrgenommen werden, Bekanntheit und Kaufbereitschaft aber gering sind. Die ausführlichen Ergebnisse der im Rahmen des EU-geförderten Projekts „HYACINTH“ durchgeführten Studie wurden jetzt im Fachmagazin „HZwei“ veröffentlicht.

Die gesamtgesellschaftliche Annahme einer neuen Technologie ist entscheidend für ihre erfolgreiche Einführung. Im von der Europäischen Union geförderten Projekt „HYACINTH“ wird deshalb die Akzeptanz von stationären und mobilen Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien auf breiter Basis untersucht: Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe), die University of Leeds (Großbritannien) und das Centre for Energy, Environment and Technology (Barcelona, Spanien) befragten für ihre neue Studie neben 7.148 Bürgerinnen und Bürgern auch 333 Expertinnen und Experten aus dem Energie- und Wasserstoffbereich. Die Expertinnen und Experten stammen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Slowenien; bei den Bürgerinnen und Bürgern wurden neben diesen fünf Ländern auch Menschen aus Belgien und Norwegen befragt.

Dr. Elisabeth Dütschke und Uta Schneider vom Fraunhofer ISI waren zusammen mit den beiden wissenschaftlichen Projektpartnern für die Konzeption und Auswertung der Befragungen verantwortlich.

Wasserstofftechnologien vor allem in Deutschland und Norwegen bekannt

Bei den Bürgerinnen und Bürgern wurde zunächst die allgemeine Bekanntheit von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien erhoben. Im Durchschnitt haben in allen sieben Ländern etwas mehr als 40 Prozent der Befragten bereits von diesen Technologien gehört. In Deutschland und Norwegen sind sie überdurchschnittlich, in Spanien dagegen unterdurchschnittlich bekannt.

Zudem bewerteten die Befragten stationäre Anwendungen wie Brennstoffzellenheizsysteme für Privathäuser sowie Wasserstofffahrzeuge (FCEV) und die dazugehörige Infrastruktur. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Heizsysteme nur etwa einem Viertel der Befragten bekannt sind. 64 Prozent davon würden es befürworten, ein solches System in ihrem Wohnhaus installiert zu haben – nur rund 20 Prozent ziehen aber tatsächlich einen Kauf in Erwägung. Die größte Barriere ist der hohe Anschaffungspreis, gefolgt von einem angenommenen Mangel an technologischer Reife.

Hindernisse für Wasserstofffahrzeuge: zu teuer, zu wenige Tankstellen

Bekannter als stationäre Systeme sind FCEV als mobile Anwendungen: Ungefähr 45 Prozent der befragten Bürgerinnen und Bürger haben bereits davon gehört – auch hier gilt: Vor allem in Deutschland und Norwegen ist die Technologie sehr bekannt.

Insbesondere in Norwegen und Spanien ist auch die prinzipielle Anschaffungsbereitschaft hoch, wenn davon ausgegangen wird, dass alle Eigenschaften mit einem konventionellen Fahrzeug identisch sind; beim nächsten Fahrzeugkauf würden jedoch nur knapp 20 Prozent eine Anschaffung ernsthaft in Erwägung ziehen. Wie bei den stationären Anwendungen sind es auch hier der hohe Anschaffungspreis sowie Zweifel an der technologischen Reife, die vom Kauf abhalten. Ein weiterer Grund sind fehlende Tankstellen.

Experten fordern weitere Förderung von Forschung und Entwicklung

Die Expertinnen und Experten wurden zunächst nach ihrer allgemeinen Bewertung von Wasserstofftechnologien gefragt: Knapp 90 Prozent von ihnen befürworten diese Technologien als mögliche Lösung für Energie- und Umweltprobleme. Im Hinblick auf die Marktentwicklung erwarten sie einen besonders positiven Trend für wasserstoffbetriebene Busse, gefolgt von wasserstoffbasierten Systemen für die Not- oder Reservestromversorgung. Die Markteinführung von großen Systemen zur Primärenergieversorgung schätzen sie dagegen am wenigsten positiv ein.

Die Expertinnen und Experten beurteilten dann noch vertieft entweder stationäre oder mobile Anwendungen. Für stationäre Anwendungen sehen sie – wie auch Bürgerinnen und Bürger – die Kosten als wichtigste Herausforderung, für die Mobilität mit Wasserstoff die niedrige Zahl an Tankstellen. Laut Expertenmeinung wird die öffentliche Akzeptanz durch die Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff beeinflusst, für dessen Gewinnung Erneuerbare Energien eingesetzt werden. Aus ihrer Sicht ist es am dringlichsten, die Wasserstoffinfrastruktur auszubauen, damit wasserstoffbetriebene Fahrzeuge konkurrenzfähig zu Batteriefahrzeugen sein können.

Die ausführlichen Ergebnisse der Befragung wurden jetzt im Fachmagazin „HZwei“ veröffentlicht.

Das Projekt HYACINTH (Hydrogen Acceptance in the Transition Phase) wird als Teil des 7. Forschungsrahmenprogramms (FP7) von der Europäischen Union finanziert. Ziel des Projekts ist die Untersuchung der gesellschaftlichen Akzeptanz von Wasserstofftechnologien im stationären und mobilen Bereich. Weitere Informationen gibt es auf http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/e/projekte/317560_HYACINTH_De_17.php und http://hyacinthproject.eu.